Erkenntnis

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Er|kennt|nis [ɛɐ̯'kɛntnɪs], die; -, -se:
1. Einsicht, die durch die Verarbeitung von Eindrücken und Erfahrungen gewonnen wird:
zu einer wichtigen Erkenntnis gelangen; die Forschung gewann auf diese Weise neue Erkenntnisse; er kam zu der Erkenntnis, dass es besser sei, nachzugeben.
Zus.: Selbsterkenntnis.
2. <ohne Plural> das Erkennen, Fähigkeit des Erkennens (auf dem Weg philosophischen Fragens):
bei diesen Fragen stößt man an die Grenzen der menschlichen Erkenntnis.
Syn.: Geist, Intellekt, Klugheit, Scharfsinn, Vernunft, Verstand, Weisheit.

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Er|kẹnnt|nis 〈f. 9
1. Erkennen, Einsicht in Erlebtes, Erfahrenes, Beobachtetes, mit dem Ziel, die Wahrheit zu finden
2. Ergebnis des Erkennens
3. das, was man erkannt hat, das Erkannte, Wissen um die Wahrheit
● \Erkenntnis einer Tatsache; \Erkenntnisse gewinnen; intuitive \Erkenntnis Intuition; zur \Erkenntnis kommen zur Einsicht, zur Vernunft kommen; ich bin zu der \Erkenntnis gekommen, dass es falsch war; zu der traurigen \Erkenntnis kommen, dass ...

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1Er|kẹnnt|nis , die; -, -se [mhd. erkantnisse = Erkennung, Einsicht]:
1. durch geistige Verarbeitung von Eindrücken u. Erfahrungen gewonnene Einsicht:
eine historische, gesicherte E.;
neue -se gewinnen;
ich durfte mich dieser E. nicht verschließen;
nach den neuesten technischen -sen;
er kam zu der E., dass sie recht hatte.
2. <o. Pl.> Fähigkeit des Erkennens, des Erfassens der Außenwelt:
an die Grenzen der E. stoßen.
2Er|kẹnnt|nis , das; -ses, -se (österr., sonst veraltet):
Gerichtsbescheid, Urteil.

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I
Erkenntnis,
 
durch geistige Verarbeitung von Eindrücken und Erfahrungen gewonnene Einsicht.
II
Erkenntnis,
 
Fähigkeit des Erkennens, des Erfassens der Außenwelt.
III
Erkenntnis,
 
1) die, Philosophie: eine Art und Weise, wie sich das Denken auf Gegenstände (im weitesten Sinne) beziehen kann; Einsicht in die Tatsächlichkeit eines Sachverhaltes; auch gleichbedeutend mit Wissen. Platon definierte Wissen als »wahre, mit Begründung versehene Meinung«. Damit wurde das Erkenntnisproblem eng mit dem Wahrheitsproblem verknüpft. Bei der weiteren Entwicklung des Erkenntnisproblems unterscheiden sich folgende Ansätze: Der idealistische Vorschlag betont die Wichtigkeit des subjektiven Anteils am Erkenntnisprozess und schwächt die Bedeutung der anderen Dimensionen ab bis hin zur Leugnung ihrer Existenz (Solipsismus). Dem steht die realistische Position gegenüber, die die Wichtigkeit der vom erkennenden Subjekt unabhängigen Sachverhalte betont. Erst das 20. Jahrhundert entdeckt die Bedeutung der dritten, intersubjektiven Dimension. Der Pragmatismus macht diese zur ausschlaggebenden Instanz des Wissens bis hin zur Definition von Wahrheit als Konsens.
 
Im Zusammenhang mit dem Erkenntnisproblem waren immer die Theoreme der Mathematik von besonderem Interesse. Sie galten stets als Inbegriff der Erkenntnis. An ihnen verdeutlichte Platon seine Vorstellung von der Erkenntnis als Schau der (wieder erinnerten) Ideen. Im Falle der Mathematik treten die Sinne als potenzielle Fehlerquelle nicht in Erscheinung. Nach Descartes ist die zentrale philosophische Erkenntnis (»ich denke, also bin ich«) ebenfalls eine nicht durch Sinne vermittelte Evidenz. Wissen wird für ihn »klare und wohlbestimmte Einsicht«. Der Rationalismus, der mit Descartes beginnt, macht die mathematische Erkenntnis zum Modell der einzig möglichen Erkenntnis. Soweit wir Erkenntnis von der Realität haben, beruht diese auf Verstandesprinzipien. Das ist die Grundidee der rationalen Naturwissenschaft. Leibniz unterscheidet die Vernunft- von den Tatsachenwahrheiten.
 
Der Empirismus betont dagegen die Wichtigkeit der Erfahrung für die Erkenntnis. Der Ursprung der Erkenntnis liegt nach rationalistischen Ansicht im Denken, nach empiristischer dagegen überwiegend in den Sinnen. Während für den Ersteren die Möglichkeit der Naturwissenschaften zum Problem wird, tut sich der Letztere schwer mit der mathematischen Erkenntnis. Kant versucht zwischen beiden Lagern zu vermitteln, indem er (gewisse) Erkenntnisse als geistige Konstruktionen mithilfe von empirischem Rohmaterial betrachtet. Das sind die synthetischen Sätze a priori, die den rationalen Kern von Naturwissenschaft und Mathematik bilden. Erkenntnis ist für Kant dort, wo Anschauungen unter Begriffe gebracht werden. Die Entwicklung nach Kant wird bald von der neu entstandenen Erkenntnistheorie geprägt.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Erkenntnistheorie · Wahrheit · Wissen · Wissenschaft
 
 
E. Cassirer: Das E.-Problem in der Philosophie u. Wiss. der neueren Zeit, 4 Bde. (1-31906-57, Nachdr. 1971-73).
 
 2) das, Recht: die gerichtliche Entscheidung, die im Erkenntnisverfahren gewonnen wird, d. h. in dem Teil des gerichtlichen Verfahrens, in dem der Rechtsstreit in der Sache selbst entschieden wird (z. B. durch Urteil), im Unterschied zum Vollstreckungsverfahren (Zwangsvollstreckung).
 
 3) die, Religionsgeschichte: Religiöse Erkenntnis meint nicht in erster Linie das rationale Erfassen religiöser Lehren, sondern ist zunächst - v. a. in der Mystik - ein zentraler seelischer Vorgang erkennenden Erlebens numinoser Wirklichkeit. In Indien etwa ist daher der »Weg der Erkenntnis« (Sanskrit yanana marga) eines der wichtigsten Mittel zum Heil. - Erkenntnis von Gut und Böse ist - nach der Erzählung vom Garten Eden (1. Mose 2, 17; 3, 5) - Wirkung der Frucht vom verbotenen Baum und bedeutet eine neue Stufe des Menschseins. Damit hat der Mensch den paradiesischen Zustand des Einssein mit der Natur verlassen und durch das Unterscheidungsvermögen die Eigenverantwortlichkeit für sein Tun gewonnen.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Hume: Möglichkeit und Grenzen der Erkenntnis
 

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1Er|kẹnnt|nis die; -, -se [mhd. erkantnisse = Erkennung, Einsicht]: 1. durch geistige Verarbeitung von Eindrücken u. Erfahrungen gewonnene Einsicht: eine wichtige, historische, gesicherte E.; Wenn sich diese E. breit macht, ... (Kühn, Zeit 55); neue -se gewinnen; ich durfte mich dieser E. nicht verschließen; Eine Woche in Zürich als Liebespaar und aus klarer E. der erste Abschied (Frisch, Montauk 143); Einfamilienhaus ..., isoliert nach den neuesten technischen -sen (Heilbronner Stimme 12. 5. 84, 54); er kam zu der E., dass ... 2. <o. Pl.> Fähigkeit des Erkennens, des Erfassens der Außenwelt: an die Grenzen der E. stoßen.
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2Er|kẹnnt|nis, das; -ses, -se (österr., schweiz., sonst veraltet): Gerichtsbescheid, Urteil: Das E. (= des Verfassungsgerichtshofes) wird für eine Reihe von Städten ... von prinzipieller Bedeutung sein (Presse 10. 10. 68, 5).

Universal-Lexikon. 2012.

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